5.1. Art der Nutzung
Das Quartier Am Lohsepark liegt an der Schnittstelle zwischen zentraler und östlicher Hafen- City. Rund um eine Parkanlage, den „Lohsepark“, sollen gemischt genutzte Gebäudegruppen entstehen.
Das Quartier Am Lohsepark liegt an der Schnittstelle zwischen zentraler und östlicher Hafen- City. Rund um eine Parkanlage, den „Lohsepark“, sollen gemischt genutzte Gebäudegruppen entstehen.
Die Parkanlage hat eine hohe Bedeutung für den Stadtteil HafenCity aber auch für die gesamte Innenstadt. Der Parkabschnitt nördlich der Stockmeyerstraße ist Teil des 1. Grünen Rings, der mit dem Wallring die Innenstadt umschließt und mit dem Lohsepark bis an die Elbe heran- reicht. Anders als ein Gebäude, das in einem kurzen Zeitraum von vielleicht einem Jahr fertig- gestellt wird, braucht eine neue Parkanlage mehrere Jahre um zu wachsen und seine grüne Substanz und damit die gewollte Wirkung zu entwickeln. Der Park besteht aus drei Abschnit- ten, die jeweils durch Straßen getrennt werden und einer sich östlich anschließenden grünen
„Fuge“ südlich der Büronutzung des Kerngebiets „MK 10“. Der Hauptteil des Parks liegt zwi- schen der Stockmeyerstraße und der Versmannstraße. Die Anlage erstreckt sich vom Norden an der Wasserfläche des Ericusgrabens über ca. 800 m bis zum Süden am Baakenhafen. Die kleineren Randbereiche sind in ihrer Topographie auf die angrenzenden Wasserflächen bezo- gen. Der öffentliche Raum zwischen den Gebäudekanten mit eigentlicher Parkanlage und öf- fentlichen Wegeflächen entlang der Gebäudekanten ist ca. 100 m breit. Die Parkanlage selbst ist ca. 3,2 ha groß, der Gedenkort umfasst zusätzlich ca. 0,8 ha.
Für den Lohsepark wird die Ausweisung öffentliche „Parkanlage“ mit den Differenzierungen
„Gedenkbereich“ und „Spielanlage“ gewählt. Die Ausweisungen entsprechen dem Nutzungs- konzept für den Lohsepark. In den mit „Spielanlage“ bezeichneten Bereichen ist mit intensiven Spiel- und Freizeitaktivitäten aller Altersklassen zu rechnen. Insbesondere auf den zwei mit
„Ballspielbereich“ gekennzeichneten Flächen im zentralen Bereich der Parkanlage wird Ball- spiel unterschiedlichster Art erwartet, da sich diese Fläche durch ihre Ebenheit und Offenheit gut für solche Aktivitäten eignet. Besondere Einbauten für Ballspiele, wie z. B. Tore oder Netze, sind aus gestalterischen Gründen und im Hinblick auf die flexible Nutzung in diesem Bereich - mit Ausnahme eines Streetballplatzes am östlichen Rand des Parks auf Höhe der geplanten Schulnutzung - aber auch im restlichen Park nicht gewünscht und nicht vorgesehen.
Die Gestaltung des Lohseparks und des Gedenkorts Hannoverscher Bahnhof wurde im Jahr 2009 in einem zweiphasigen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt, wobei der Ideen- teil sich auf den Gedenkort Hannoverscher Bahnhof bezog. Die Jury wählte vier erste Preise aus, die in einem nachgelagerten VOF-Verfahren noch einmal überarbeitet und schließlich in 2010 mit der Auswahl eines Siegerentwurfes entschieden wurde. Für den Gedenkort legt der Entwurf die wesentlichen Randbedingungen fest, die nähere Ausgestaltung wurde in einem eigenen künstlerischen Wettbewerb festgelegt. Der ausgewählte Entwurf für den Lohsepark ist 2013 im Norden und Süden und in 2015 im Zentrum umgesetzt worden. 2016 wurde der Park offiziell eröffnet. Ziel ist es, Gedenken, Grünerleben, Spiel, Freizeit und Erholung in einer zusammenhängenden Parkanlage zu gestalten, in dem Identitäten durch die unterschiedlichen räumlichen und thematischen Setzungen spannungsvoll verortet und erlebt werden können.
Der Park ist so aufgebaut, dass es eine stadtbezogene Ebene auf der Höhenlage der angren- zenden Straßen gibt. Dort werden auf erhöhtem Niveau Bäume dichter angepflanzt, im Sinne einer Bastion. Daneben gibt es einen etwas tiefer gelegenen, zentralen Parkbereich. Dort ste- hen die Bäume frei auf Rasenflächen. Es gibt von den anliegenden Baufeldern Übergänge in den Park. Auf leicht abfallenden Wegen kommt man von dort in den landschaftlich geprägten, zentralen Parkbereich, der die unterschiedlichsten Funktionen und Aktionsräume aufnimmt. Im Norden zwischen Stockmeyerstraße und Ericusgraben wird ein Schilfgürtel bzw. eine Röh- richtfläche entstehen, die als Ausgleichsmaßnahme für bereits durchgeführte Landgewinnung am Grasbrookhafen dient. Im Süden formuliert der Park einen Aussichtspunkt mit Freitreppe, der zur Promenade am Baakenhafen ausläuft. Dieser südliche Teil des Parks ist ein Aktivitäts- raum, in dem sich Studenten der angrenzenden HafenCity Universität und Besucher des Aus- sichtspunktes verstärkt aufhalten, so dass an dieser Stelle eine befestigte Fläche ihre Berech- tigung hat. Der Park ist so angelegt, dass Blickbeziehungen durch die Parkanlage bis zur Elbe entstehen werden.
Die zentralen Bereiche des Parks werden als Bewegungs- und Spielräume mit Spielplatz ge- staltet, in die ein Gemeinschaftshaus integriert ist (siehe Ziffer 5.1.4). Die öffentlichen Ange- bote der Parkanlage können innerhalb ihrer Zwecksetzung auch durch die geplanten Schulen und die geplanten Kindertagesstätten mit genutzt werden. Im gesamten Park werden mindes- tens 3.000 m² für gestaltete Kinderspielplätze zur Verfügung gestellt. Davon ist im Bereich des geplanten Gemeinschaftshauses ein ca. 2.000 m² großer Spielplatz vorgesehen. Der nur zum Teil zugängliche Bereich der Röhrichtfläche nördlich der Stockmeyerstraße wird als öffentliche
„Parkanlage“ festgesetzt.
Die Ausweisung „Gedenkbereich“ steht für die Nutzung der Freiraumfuge als würdigen Ort der Erinnerung an das Deportationsgeschehen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Konzeption und Gestaltung der Parkanlage wurde über eine längere planerische Ausei- nandersetzung mit der historischen und zeitgeschichtlichen Bedeutung des Lohseplatzes und des Hannoverschen Bahnhofs erarbeitet. Auf Basis der Zielsetzungen des Masterplans Ha- fenCity wurden seit 2004 über wissenschaftliche Expertisen, Symposien und Arbeitsgesprä- che bis 2008 in einem Expertengremium die Leitlinien für eine neue städtebauliche Konzeption des Gedenkortes mit dem kulturellen und zeitgeschichtlichen Erbe des ehemaligen Hannover- schen Bahnhofes erarbeitet. Das identifizierte authentische Relikt Bahnsteig 2 des Hannover- schen Bahnhofs wurde als Denkmal geschützt. Von diesem Ort aus wurden zwischen 1940 und 1945 über 8.000 Juden, Sinti und Roma aus Hamburg und Norddeutschland in die Ghet- tos, Konzentrations- und Vernichtungslager nach Mittel- und Osteuropa deportiert. An die Men- schen und ihre Schicksale erinnern die Namen, die auf Schrifttafeln den Gedenkort des Bahn- steigs rahmen. Sein Erhalt als Gedenkort am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof für die in der Zeit des Nationalsozialismus von dort deportierten Juden, Sinti und Roma bildete eine neue Konzeption für das Parkensemble, in dem die ehemaligen Gleislagen des Hannover- schen Bahnhofes in die räumliche Planung einbezogen und Vorgabe für den freiraumplaneri- schen Wettbewerb wurden.
Der Gedenkort des Deportationsbahnsteigs 2 wird durch eine in die Topografie eingeschnit- tene Fuge im ehemaligen Gleisverlauf bis an den Lohseplatz herangeführt. Der Gedenkort ist als räumliche Zäsur und Senke mit den original erhaltenen Elementen des ehemaligen Bahn- steigs mit direktem Sichtbezug auf die Pfeilerbahn erlebbar und durch öffentliche Wege er- reichbar.